Ein Licht unter dem Scheffel!

 

Es ist viertel vor sechs, die meisten Menschen schlafen noch. Ich sitze im Bett und versuche meine Gedanken in eine Richtung zu lenken, zu entwirren, zu verstehen. Mich selbst zu verstehen. Ist schon komisch das es sich beides mal um das gleiche Gehirn handelt, einmal um das was denkt, und einmal um das, was darüber nachdenkt was man denkt.
Was ist denn das worüber man denkt? Wahrscheinlich das worüber die meisten Menschen denken: was war Gestern alles gelaufen und was wird Morgen noch alles kommen. Meistens sind die eigenen Gedanken auf das gerichtet was gestern nicht so gut gelaufen ist und was Morgen alles schief laufen könnte. 
In wie fern bringt es einen weiter? Wir wollen doch alle gut sein, besser sein, wir wollen doch alle uns von der besten Seite zeigen. Dazu bedienen wir uns einer Strategie, die ganz schön bescheuert ist. Wir richten unser komplettes Scheinwerferlicht, unser gesamtes Arsenal (unseren Fokus, unsere Gedanken, unsere Worte) auf das, was aus unserer Sicht schlecht ist und hoffen aber mit guten Seiten gesehen zu werden.
 
Wie soll denn das möglich sein? Wie können die Anderen das Eine in mir sehen, wenn ich die ganze Zeit damit beschäftigt bin das Andere zu beleuchten. Wie kann ich erwarten, dass die anderen meine Stärken wahrnehmen, wenn ich die ganze Zeit damit beschäftigt bin, zu beobachten ob sie meine Schwächen erkannt haben? Dazu fällt mir eine Zeile aus der Bibel ein: 
 
"Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; ... So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen..."  (Mt 5, 14-16)
So wie ich das sehe, hat jede/jeder von uns ein Licht mit auf den Weg bekommen und einen klaren Auftrag. Also: "Du hast ein Licht!" und "Lass es leuchten!"
 
Was soll dann das ganze Gequatsche mit: war ich gut genug? und soll ich? oder soll ich nicht? ... und das mit nur einem Gehirn! Ich komme mir vor wie der zweiköpfige Außerirdische aus „Men in Black 2“: „hast du das gesehen? er hat dich komisch  angeguckt!... Hör auf damit, er hat auch ein Leben und du hast keine Ahnung was in seinem Kopf vor geht.... Sag ihm doch was in deinem Kopf vorgeht, sag ihm doch warum du hier bist... Ach nee, ist jetzt grad bestimmt nicht passend, ich werde mich später melden... aber es ist DIE Gelegenheit... mir fällt aber grad nichts ein, er findet es bestimmt blöd und überhaupt..." bla bla bla!
Aaaaahhhhrrrr! Wo ist der Knopf zum abstellen? und wo ist der  Schalter für das Licht?  Für mein Licht?
 
Oder ist das der "freie Wille"? Mein Wille zu entscheiden welcher Stimme ich den "Zugang" gewähre? Ist das die Entscheidungsfreiheit, die wir Menschen haben? unser Licht so hin zu stellen wie es uns beliebt? und wenn das so ist, warum entscheiden sich dann so viele, mich eingeschlossen, es doch unter den Scheffel zu stellen? Bescheidenheit? Gewohnheit? Angst vor Sichtbarkeit? Angst etwas zu beleuchten was andere nicht mögen könnten? Und wie geht es nun weiter? 
 
Ach keine Ahnung, ich meine wenn es in eine Richtung funktioniert, muss es doch auch in die andere funktionieren. Mit Fragen: was war gestern gut? und was kann ich Morgen besser machen? ist doch der Schalter gefunden, oder nicht? Hört sich das nicht nach einem esoterischem Psychogequatsche an? ...ok, da sind die beiden Stimmen wieder!... und wo kommt auf einmal die dritte her? Die, die sich über die ersten beiden Gedanken macht? Ich glaube es ist echt noch zu früh. Ausgeschlafenen gehört die Welt, darüber sollten sich mal alle drei Gedanken machen, ab ins Bett!
 
So, jetzt bin nur noch ich da und eigentlich weiß ich ganz genau was mich ausrichtet, entwirrt und zum Handeln motiviert: mein Licht und meine Entscheidung darüber, was es beleuchtet - mein Fokus!
Wie finde ich den? Ganz einfach in dem ich mir die richtigen Fragen stelle!
Was will ich im Leben erreichen? Worin bin ich wirklich gut? Bringt  mich das, was ich gerade mache / denke weiter? Wer weiß auf diesem Gebiet mehr und wie können wir voneinander lernen, bzw. profitieren? 
 
Man stellt das Licht nicht unter das Scheffel, hat Jesus schon gesagt - war ein kluger Mann!

 

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